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02.08.2022

Kaum Regen im Juli – Wasserbewirtschaftung im Spree- und Schwarze-Elster-Gebiet steht weiter vor Herausforderungen

Cottbus – Der Juli 2022 geht als weiterer zu trockener Monat in die Statistiken ein. Es fiel noch weniger Niederschlag als in den Vormonaten, sodass die Flussgebiete von Spree und Schwarzen Elster nach wie vor unter Niedrigwasser leiden. Die länderübergreifende Ad-hoc-AG „Extremsituation“ trat daher erneut zusammen, um die Situation zu bewerten und Maßnahmen zu beschließen. Auch weitere Schritte des Niedrigwasserkonzeptes für das mittlere Spreegebiet wurden zwischenzeitlich umgesetzt.

Der Juli setzte das Muster der Vormonate fort und zeichnete sich durch wenig Regen, viel Sonne und hohe Temperaturen in den Einzugsgebieten von Spree und Schwarzer Elster aus. An der Wetterstation Cottbus fielen nur 11,2 Millimeter Regen, dies entspricht lediglich 16 Prozent der für Juli üblichen Niederschlagsmenge (Bezugsreihe 1981 – 2010).

Anhand aktueller Prognosen muss zudem davon ausgegangen werden, dass sich die Trockenheit auch im August fortsetzt. Der notwendige, flächendeckende Regen ist weiterhin nicht in Sicht.

Spree

Durch die Speicher im sächsischen Einzugsgebiet und die Talsperre Spremberg erfolgt weiterhin die planmäßige Stützung der Abflüsse für das brandenburgische Spreegebiet. Die Talsperre Bautzen, welche in den vergangenen Monaten baustellenbedingt nur wenig Wasser ausleiten konnte, ist seit dem 1. August wieder voll einsatzbereit und wird ab sofort den Hauptanteil für die Niedrigwasseraufhöhung leisten. Im Gegenzug werden die Reserven der anderen, bereits sehr stark beanspruchten Speicher geschont. 

Die Wasserbereitstellung zur Niedrigwasserstützung aus den sächsischen Speichern ist somit auch weiterhin für den Rest des Sommers gesichert. Bedenklich sind jedoch die sehr niedrigen Zuflüsse zu den Speichern im Oberlauf der Spree. Beispielweise bewegt sich der Abfluss am Zuflusspegel zur Talsperre Bautzen aktuell auf einem für August außergewöhnlich niedrigen Niveau von circa 0,3 Kubikmeter pro Sekunde (Stand 01. August 2022). Der mittlere Niedrigwasserabfluss bewegt sich an diesem Pegel normalerweise bei etwa 1,08 Kubikmeter pro Sekunde (1926 – 2019).

Die Talsperre Spremberg hat im Juli eine weitestgehend konstante Wassermenge von durchschnittlich 9,2 Kubikmeter pro Sekunde an das mittlere Spreegebiet abgegeben. Am Unterpegel Leibsch, der am Ausgang des Spreewaldes liegt, hatte sich der Abfluss im Vergleich zur ersten Julihälfte allerdings deutlich verringert. Begünstigt durch die Trockenheit und hohe Temperaturen bewegten sich die Abflüsse in der zweiten Julihälfte nur noch auf einem sehr niedrigen Niveau zwischen 1,2 und 1,7 Kubikmeter pro Sekunde. Der mittlere Niedrigwasserabfluss für den Monat Juli beträgt an diesem Pegel 2,89 Kubikmeter pro Sekunde (Bezugsreihe 1991 bis 2020). Der durch die Ad-Hoc AG „Extremsituation“ festgelegten Zielkorridor von 2,5 bis 3,5 Kubikmeter pro Sekunde wurde somit verfehlt.

Zur Stabilisierung der Abflüsse wurden ab dem 19. Juli die Maßnahmen der Phase 2 des Niedrigwasserkonzeptes für das mittlere Spreegebiet umgesetzt. Dabei wurden Ausleitungsmengen in Nebengewässer weiter reduziert und Wasserentnahmen aus Oberflächengewässer per Allgemeinverfügung durch die Landkreise und die Stadt Cottbus verboten. Die eingeleiteten Schritte führten zu einer Stabilisierung des Abflusses am Unterpegel Leibsch bei etwa 1,5 Kubikmeter pro Sekunde.

Um die Situation weiter zu verbessern, wurden ab dem 1. August Anpassungen in den Stauhaltungen des Spreewaldes vorgenommen. Durch leichte Absenkungen der Wasserstände in mehreren Bereichen sollen vor allem die hohen Wasserverluste in die Flächen reduziert werden, um im August ein höheres Abflussniveau am Ausgang des Spreewaldes zu erreichen.   

Sollte die Maßnahme wirksam sein, kann voraussichtlich auf die Umsetzung der Phase 3 des Niedrigwasserkonzeptes im mittleren Spreegebiet in diesem Jahr verzichtet werden. Die Maßnahmen der dritten Phase führen zu starken Einschränkungen im Gebiet des Spreewaldes. Unter anderem können dann Nebengewässer trockenfallen und die Passierbarkeit mehrerer Schleusen würde eingeschränkt werden. Im Rahmen der Ad-hoc AG „Extremsituation“ wurden für das Spreegebiet keine neuen Maßnahmen oder Festlegungen getroffen. 

Schwarze Elster

Im Flussgebiet der Schwarzen Elster ist die Situation weiterhin deutlich angespannt. Das gesamte Einzugsgebiet war auch im Juli von einer flächendeckenden Trockenheit geprägt. Die verfügbaren Speicherreserven im Gebiet sind mittlerweile zu mehr als 70 Prozent aufgebraucht. Der Flussabschnitt oberhalb der Mündung der Rainitza bis in das sächsische Landesgebiet hinein führt nach wie vor kein Wasser.

Ab Senftenberg wird die Schwarze Elster weiterhin durch die Ausleitung aus dem Speicherbecken Niemtsch (Senftenberger See) und die von der LMBV betriebene Grubenwasserreinigungsanlage (GWRA) Rainitza gestützt. Am Pegel Biehlen, unterhalb von Senftenberg, bewegt sich der Abfluss aktuell (01. August 2022) bei 0,47 Kubikmeter pro Sekunde. Der mittlere Abfluss beträgt für den Monat Juli 1,63 Kubikmeter pro Sekunde (Bezugsreihe 1983 bis 2021). Der Abfluss am Pegel Biehlen hat sich im Vergleich zu Mitte Juli durch die erhöhte Stützung aus der Rainitza leicht verbessert.

Der Wasserstand des Speicherbeckens Niemtsch lag am 1. August bei 98,56 Meter NHN (Normalhöhennull) und ist in den vergangenen zwei Wochen um 5 Zentimeter gefallen. Ab einem Wasserstand von 98,40 Meter NHN müsste die Ausleitung geschlossen werden, um sicherzustellen, dass der Wasserstand von 98,30 Meter NHN nicht erreicht wird. Ab diesem Wasserstand ist die Sperrung des Senftenberger Sees erforderlich, da die geotechnische Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Die für die Schwarze Elster aktuell wichtige Stützungsaufgabe könnte dann nicht mehr erfüllt werden.

Durch die im Rahmen der letzten Ad-hoc-AG „Extremsituation“ beschlossene Überleitung aus dem Spreegebiet in das Restloch Sedlitz, konnte die Stützung über die Rainitza weiterhin fortgesetzt werden. Da die Überleitungsmenge allerdings nicht alle Verluste ausgleichen konnte, musste auch weiterhin Wasser aus den Restlöchern Koschen und Skado in das Restloch Sedlitz übergeleitet werden.

In der aktuellen Sitzung der Ad-hoc-AG „Extremsituation“ wurde beschlossen, weitere Überleitungen aus den Restlöchern Koschen und Skado auszusetzen und die Überleitung aus dem Spreegebiet auf 900.000 Kubikmeter pro Woche zu erhöhen. Mit der erhöhten Überleitung sollen alle Verluste in Sedlitz gedeckt werden und gleichzeitig die Reserven in Koschen und Skado geschont werden. Dies ist von hoher Bedeutung für den Speicher Niemtsch, da notfalls Wasser aus dem Restloch Koschen in den Speicher Niemtsch übergeleitet werden kann. Die Ausleitfähigkeit des Speichers sollte damit bis in den September hinein aufrechterhalten bleiben.

Die Stützung der Schwarzen Elster aus den genannten Einleitungen und der Grubenwasserreinigungsanlage Pößnitz sind aktuell von enormer Wichtigkeit für den Flusslauf unterhalb von Senftenberg, da aus den übrigen Zuflüssen kaum noch Wasser kommt. Am Pegel Bad Liebenwerda führt die Schwarze Elster weiterhin außergewöhnliches Niedrigwasser. Am 1. August wurden nur noch etwa 0,77 Kubikmeter pro Sekunde erreicht. Der Abfluss ist somit im Vergleich zu Mitte Juli weiter zurückgegangen und markiert erneut ein Minimum in der Statistik. Der mittlere Niedrigwasserabfluss am Pegel Bad Liebenwerda beträgt für den Monat Juli 5,07 Kubikmeter pro Sekunde (Bezugsreihe 1973 bis 2021).

Die Ad-hoc-AG „Extremsituation“ wird aufgrund der sehr angespannten hydrologischen Lage in den Einzugsgebieten der Spree und Schwarzen Elster regelmäßig zusammentreten, um die Situation zu bewerten und bei Bedarf weitere Maßnahmen zu ergreifen.

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