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12.12.2022

Trocken, warm und teils brandgefährlich: Waldzustandsbericht 2022 offenbart gegenüber dem Vorjahr nur einige Veränderungen – Waldumbau als Waldbrandvorsorge

Potsdam / Beelitz – Auch das Jahr 2022 war wieder zu warm und zu trocken.

„Der Anteil deutlich geschädigter Bäume ist zwar um zwei Prozent leicht zurückgegangen, der Anteil der Bäume ohne Schäden jedoch auch“, stellt Forst- und Klimaschutzminister Axel Vogel bei der heutigen Präsentation des Brandenburger Waldzustandsberichts für 2022 fest. „Nur noch acht Prozent der Bäume sind als gesund einzustufen. Von einer Entspannung kann deshalb keine Rede sein“, so Axel Vogel.

20 Prozent der Waldfläche weisen 2022 deutliche Schäden auf. Im Vergleich zu 2019 ist dieser Wert um 17 Prozentpunkte niedriger (2021:22 Prozent). Der Wald hat sich nach den extremen Trockenjahren etwas erholt. Der Anteil der Bäume ohne sichtbare Schäden hat sich um vier Prozentpunkte jedoch erneut verringert. Gegenwärtig sind nur noch acht Prozent der Waldbäume dieser Schadstufe 0 zu zuordnen. Dieser Wert lag in den Jahren vor der Trockenperiode zwischen 2009 und 2018 im Durchschnitt immer über 40 Prozent.

Die Buche ist, gefolgt von der Eiche, die am meisten geschädigte Baumart. Jeder zweite Baum weist in der Stichprobe deutliche Schäden auf. Die deutlichen Schäden liegen bei der Buche aktuell bei 54 und bei der Eiche bei 50 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Anstieg um 14 Prozentpunkte bei der Buche und 8 Prozentpunkte bei der Eiche. Die Trockenheit 2018, 2019 und 2022 schwächte die Laubbäume und machte sie anfällig für Schadorganismen. Der Anteil ohne Schäden ist mit rund fünf Prozent bei der Eiche und acht Prozent bei der Buche sehr gering und liegt weit unter dem Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2018. Unter den Bedingungen der Klimakrise wird die Buchenfläche zurückgehen. Die Buche wird aber neben der Eiche und einer Reihe weiterer Laubbaumarten wie Ahorn, Hainbuche und Birke weiterhin eine wichtige Baumart für den Waldumbau bleiben.

Zu wenig Niederschlag der letzten Jahre verschlechterte auch den Kronenzustand der Kiefer. 15 Prozent weisen deutliche Schäden auf. Der Anteil gesunder Bäume ist gegenüber dem Vorjahr erneut gesunken und liegt gegenwärtig bei nur fünf Prozent. Im Jahr 2017 waren noch 51 Prozent der Kiefern ohne Schäden (2021: 10 Prozent).

„Dies ist ein deutliches Zeichen, wie extreme Witterungsereignisse und ihre Folgeschäden auch die Vitalität der bisher als trockentolerant geltenden Baumarten mindern“, so Axel Vogel.

 

Da die Vitalität der Bäume stark beeinträchtigt ist, haben Schaderreger wie Insekten und Pilze bei fast allen Baumarten leichtes Spiel. Seit 2018 sind rund 4,1 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen. Durch Waldbrände, Stürme und Schadinsektenbefall sind seit 2019 rund 15.000 Hektar Kahlflächen entstanden, die wiederbewaldet werden müssen.

Forst- und Klimaschutzminister Axel Vogel: „Der Waldumbau und die Wiederbewaldung sind herausfordernde Aufgaben für die Försterinnen und Förster und für Waldbesitzende.“

2022 war auch wieder ein „Waldbrandjahr“ – mit 504 Waldbränden auf einer Gesamtfläche von 1.411 Hektar, darunter vier Großbrände mit jeweils über 100 Hektar. Besonders betroffen mit jeweils zwei Großbränden waren die Landkreise Elbe-Elster (740 Hektar) und Potsdam Mittelmark (410 Hektar). Einer der Großbrände ereignete sich in der Nähe von Beelitz.

Die Waldbrandüberwachung in Wünsdorf meldete eine Rauchentwicklung nahe Beelitz am 22. Juni mittags an die Regionale Leitstelle in Brandenburg. Der Brand entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem Katastrophenfall, zwei Bahnstrecken und ein Umspannwerk waren betroffen. Die Bundesgartenschau musste geschlossen und einzelne vorgelagerte Straßenzüge der Stadt Beelitz evakuiert werden. Zeitweilig waren über 350 Einsatzkräfte und fünf Löschhubschrauber im Einsatz. Von den 233 Hektar geschädigten Waldes wird ein Großteil absterben und muss wiederbewaldet werden. Gegenwärtig arbeitet das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde an Empfehlungen für die Wiederbewaldung der Brandfläche.

Viele Waldbrände sind durch Fahrlässigkeit oder gar Brandstiftung verursacht. Die wichtige Waldbrandprävention in Brandenburg umfasst den Ausbau von Waldbrandschutzwegen und die Anlage von Löschwasserentnahmestellen sowie Waldbrandschutzstreifen. Das Forst- und Klimaschutzministerium fördert Maßnahmen der Waldbrandprävention mit 100 Prozent. Seit 1994 wurden Privatwaldbesitzende mit 47,2 Millionen Euro unterstützt. Nach den großen Waldbränden 2018 wurden im Privatwald 166 Löschwasserentnahmestellen und über 530 Kilometer Waldbrandschutzwege gebaut. Da das dennoch zu wenig ist, baut der Landesforstbetrieb jetzt teilweise auch Löschwasserbrunnen im Privatwald.

Insbesondere der Waldumbau trägt zur Waldbrandprävention bei. Das Forst- und Klimaschutzministerium gibt für den Walderhalt und Waldumbau umfangreiche Fördermittel von Europäischer Union, Bund und Land aus: Seit 1990 wurden für den Waldumbau insgesamt rund 317 Millionen Euro aufgewendet, darunter 145 Millionen Euro im Privatwald. 2020 startete die Landesforstverwaltung eine Beratungskampagne, um Waldbesitzende über die Möglichkeiten der Förderung zu informieren. Beratungsleistungen durch Dritte werden ebenfalls mit einem Fördersatz von bis zu 100 Prozent unterstützt (mehr unter: www.IhrWaldbrauchtZukunft.de). Waldumbau auf großer Fläche funktioniert nur über Naturverjüngung, da natürlich aufwachsende Bäume weit stresstoleranter sind als gepflanzte. Dafür bedarf es angepasster Wildbestände.

Grundlage für eine gute Waldberatung ist eine praxisorientierte Forschung. Die Stabilität unserer Wälder ist durch die Klimakrise gefährdet. Forstliche Forschung entwickelt Strategien zur Waldanpassung – Ziel ist ein klimastabiler Wald. Um das Risiko zu streuen, müssen zukünftig mindestens drei bis fünf Baumarten auf der Fläche wachsen. Auf über 70 Prozent der Waldflächen ist die Kiefer immer noch die Hauptbaumart.

Brandenburg verfügt über 1,1 Millionen Hektar Wald. Dies entspricht 37 Prozent der Landesfläche. Den Ergebnissen der Waldzustandserhebung in Brandenburg liegen nach einem bundeseinheitlichen Verfahren die Beobachtungen von 4.740 Probebäumen zugrunde. Das Hauptmerkmal der Waldzustandserhebung sind die Kronenverlichtung (Nadel- beziehungsweise Blattverlust) und der Anteil an Probebäumen mit deutlichen Schäden.

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