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22.10.2020

Weniger Plastik für saubere Böden und Gewässer – Umweltminister Vogel stellt 7-Punkte-Maßnahmenplan für besseren Umgang mit Kunststoffen vor

Potsdam – Kunststoffe in der Umwelt zerfallen zu Makro- und Mikroplastik und verschmutzen so unsere Böden und Gewässer. Das Fraunhofer Institut hat auf Basis mehrerer Studien für Deutschland die Mikroplastik-Emissionen pro Kopf berechnet. So ergäbe sich für das Land Brandenburg eine Menge von 10.000 Tonnen pro Jahr. Das entspricht zehn Prozent der im Land Brandenburg anfallenden Leichtverpackungen, die über die gelbe Tonne oder den gelben Sack entsorgt werden. Aus Sicht von Umweltminister Axel Vogel braucht es einen besseren Umgang mit Kunststoffen, um diese enorme Menge zu reduzieren.

Umweltminister Axel Vogel: „Der erste Schritt muss sein, Abfälle zu vermeiden – sowohl in privaten Haushalten als auch in der Wirtschaft und Produktion. Die erhebliche Belastung von Umwelt und Natur, aber auch die Endlichkeit der Ressourcen, wird uns immer eindringlicher vor Augen geführt.
Mittlerweile hat in vielen Bereichen ein Umdenken stattgefunden: Initiativen wie das Netzwerk der Umweltpartnerschaft aus Brandenburger Unternehmen, die sich umweltschonenden Produktionsabläufen verschrieben haben, oder der jährliche Clean-Up-Day zeugen davon.
Der zweite Schritt nach der Abfallvermeidung muss dann in der Wiederverwertbarkeit von Wertstoffen liegen. Auch hier weisen Upcycling-Projekte oder die Nutzung von Wiederverwertbarkeit in der Industrie auf diese Notwendigkeit hin und fungieren vielerorts als Beispiele für weitere Initiativen und Betriebe.“

Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz unterstützt solche Projekte und hat deshalb einen 7-Punkte-Maßnahmenplan zur Vermeidung von Plastikabfällen und für einen besseren Umgang mit Kunstoffen erarbeitet, den Minister Vogel heute beim Brandenburger Forum zur Abfallvermeidung vorgestellt hat. Mit der Erstellung des Maßnahmenplans setzt das Ministerium einen Landtagsbeschluss um, in dem die Landesregierung aufgefordert wurde, Maßnahmen zur Reduzierung von Kunststoffabfällen zu ergreifen:

 1. Weniger Kunststoff auf dem Acker

Brandenburg leistet einen wichtigen Beitrag bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Regelmäßig werden derzeit in der landwirtschaftlichen Produktion auch Produkte aus Kunststoff eingesetzt. Neben der fachgerechten Entsorgung anfallender Kunststoffabfälle liegt ein wichtiger Beitrag auch in der Stärkung von Alternativen zur bestehenden Praxis. Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz wird sich dafür einsetzen, dass Landwirte zum ressourcenschonenderen Einsatz von Erntekunststoffen sowie alternative Methoden der Bewirtschaftung beraten werden. Ebenso wird es sich dafür einsetzen, dass ein flächendeckendes System für die ordnungsgemäße Entsorgung von Erntekunststoffen eingerichtet wird.

2. Weniger Kunststoff in Komposten

Bioabfälle aus Haushalten und Gewerbe müssen getrennt gesammelt werden, da die darin enthaltenen Nährstoffe wichtig für die Natur sind. Wegen mangelnder Achtsamkeit für die Problematik ist der Fremdstoffanteil in der Biotonne mancherorts noch sehr hoch. Hinzu kommen außerdem große Mengen an Abfällen aus Gewerbe (zum Beispiel Abfälle aus Restaurants und Kantinen, nicht mehr verkäufliche Lebensmittel aus dem Handel), in denen herkunftsbedingt Kunststoffe enthalten sind (Müllsäcke, Verpackungen etc.). Eine möglichst effektive Abtrennung von Kunststoffen ist nur mit modernen Anlagen möglich. Die Bioabfallstrategie des Landes Brandenburg zur flächendeckenden Einführung der Biotonne in den Haushalten sieht vor, dass die eingesammelten Bioabfälle einer hochwertigen Verwertung durch Vergärung mit anschließender Kompostierung zugeführt werden. Ebenso wurde für sogenannte „verpackte Lebensmittel“ aus Gewerbe ein bundesweites Konzept zur Vermeidung von Kunststoffeinträgen in die Umwelt entwickelt. Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass Bioabfälle aus Haushalten möglichst störstofffrei erfasst und künftig ausschließlich in Vergärungsanlagen entsorgt werden und das Konzept zur Entsorgung verpackter Lebensmittel auch in Brandenburg konsequent umgesetzt wird.

3. Weniger Kunststoffverpackungen

Verpackungen aus Kunststoff haben zwar gute Produkteigenschaften, eignen sich jedoch nur sehr begrenzt für das Recycling. Daher kann ein großer Beitrag zur Lösung unseres Kunststoffproblems darin liegen, solche Verpackungen zu vermeiden oder umweltfreundlichere Alternativen zu entwickeln. Dies können zum Beispiel Mehrweglösungen sein, die insbesondere bei der Vermarktung regionaler Produkte einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz beabsichtigt, gemeinsam mit den regionalen Akteuren an Lösungen zu arbeiten, bei regionalen Produkten Mehrwegverpackungen einzusetzen und den Einsatz von Verpackungen insgesamt zu reduzieren.

4. Weniger Elektroschrott

Elektro- und Elektronikaltgeräte bestehen häufig zu einem großen Anteil aus Kunststoff. Kunststoffbauteile in Elektro- und Elektronikgeräten enthalten in der Regel Flammschutzmittel und Weichmacher, welche mitunter giftig sind. Daher eignen sich diese Kunststoffe nicht für das Recycling – einer von mehreren Gründen, Elektrogeräte möglichst lang zu nutzen und zu reparieren. Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz wird sich dafür einsetzen, Bürger für das Thema „Reparieren statt Wegwerfen“ zu gewinnen und, dass defekte Elektro- und Elektronikgeräte bei Abgabe im Handel oder an Wertstoffhöfen nicht automatisch als Abfall entsorgt werden, sondern einer Wiederverwendung zugeführt werden können.

5. Weniger Coffee-To-Go-Einwegbecher

Gemäß aktueller Erhebungen werden in Deutschland pro Jahr cirka 2,8 Milliarden Einwegbecher für Heißgetränke verkauft. Umgerechnet auf das Land Brandenburg wären das 85 Millionen Einwegbecher, die nach einmaliger Benutzung weggeworfen werden. Selbst ein Recycling der Becher ist nicht unbedingt ökologisch sinnvoll, sondern der Verbrauch sollte reduziert werden. Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz hat einen Leitfaden zur Einführung von Mehrwegbechersystemen erarbeiten lassen. Der Leitfaden kann von privaten Trägern und Kommunen genutzt werden, um eigene Initiativen auf den Weg zu bringen. Ebenso wird sich das Ministerium dafür einsetzen, dass im Außerhausverzehr verstärkt die Befüllung mitgebrachter Mehrwegbecher angeboten wird.

Der Leitfaden für die Einführung eines Mehrwegbecher-Pfandsystems steht hier zum Download zur Verfügung. 

6. Mehr Produkte aus Recycling-Kunststoffen

In vielen Bereichen gerade im gewerblichen Bereich ist die getrennte Sammlung von Kunststoffabfällen bereits gesetzliche Pflicht sowie die Einhaltung ambitionierter Recyclingquoten bei der anschließenden Verwertung. Damit sich die getrennte Sammlung auch lohnt, muss der Einsatz von Recyclaten in sämtlichen Produktbereichen gestärkt werden und die grundsätzliche Recyclingfähigkeit von Produkten sehr viel mehr in den Fokus rücken. Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz begleitet die Entwicklungen auf EU-, Bundes- und Landesebene und wird sich aktiv daran beteiligen, die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Kunststoffrecycling zu verbessern.

7. Öffentlichkeitsarbeit für weniger Plastik

Ein geringerer Plastikeinsatz soll ein Schwerpunkt der Öffentlichkeitsarbeit unseres Ministeriums werden. Plastik ist ein vielseitiger Werkstoff. Unsere Zielrichtung ist deshalb auch kein Aufruf gegen Kunststoffe, sondern ein Aufruf zu einem bewussteren Umgang mit Kunststoffprodukten.

Anmerkung:
Die Reihenfolge der Maßnahmen enthält keine zeitliche oder inhaltliche Priorisierung.

Hintergrund:
Im Januar 2018 hat die Europäische Kommission eine Kunststoffstrategie veröffentlicht. Ein wichtiger Treiber dieser Strategie ist die Diskussion um Mikroplastik und das sogenannte „Marine Littering“. Die EU-Kunststoffstrategie enthält verschiedene zentrale Verpflichtungen für Maßnahmen auf Ebene der EU. Sie baut dabei auf eine Beteiligung der Privatwirtschaft sowie die nationalen und regionalen Regierungen.

Im Rahmen der Initiative „Plastik in der Umwelt“ werden auf nationaler Ebene derzeit eine Reihe von Projekten durchgeführt, um Eintragspfade von Plastik in die Umwelt genauer zu bestimmen und geeignete Gegenmaßnahmen zu entwickeln.